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Wenn Schule krank macht!

17. Januar 2018

Freilerner und Denker auf Reisen, Travelkids, Schule löst Ängste aus

Letzte Nacht hörte ich dich wieder schreien! So laut. So eindringlich. Es folgte Gepolter und dann nur noch ein leises wimmern. Ich sprang aus dem Bett und stolperte – wie in letzter Zeit so oft – die Treppen nach unten. Zitternd lagst du auf dem Sofa. Dein Kopf vergraben zwischen den vielen Kissen. Ich setzte mich zu dir, nahm dich in den Arm und streichelte über dein Haar. Dein Herz raste und du flüstertest leise vor dich hin: Bitte schick mich nicht in die Schule. Ich will nicht mehr dort hin. Mein Magen zog sich sofort zusammen und ich wusste nicht so recht was ich dir bloß sagen soll. Natürlich behalte ich dich nach so einer Nacht zuhause. Doch wie soll es langfristig betrachtet weitergehen? Wie lange sollst du noch leiden?

Seit du in die Schule musst, klagst du fast täglich über Bauch-und Kopfschmerzen. Du bist so oft so furchtbar traurig und es bricht mir immer wieder das Herz dich so zu sehen. In den Ferien hingegen blühst du auf. Dann bist du glücklich und die Bauchschmerzen verschwinden. Ein klarer Beweis dafür, dass die Schule dich krank macht. Ich habe versucht Hilfe zu bekommen. Für dich, für uns. Doch was ist diese Wert, wenn der letzte Satz doch immer der Gleiche ist: es gibt nun mal die Schulpflicht und da müssen sie sich dran halten. Im Grunde es ist es völlig absurd, dass diese sogar über dem Grundgesetz steht. Nein es ist nicht absurd, es ist sogar gesetzeswidrig.

Und dann wird ja auch noch immer so viel von Inklusion gesprochen! Doch bedeutet Inklusion nicht auch, dass ich das Recht habe, mich einer Situation zu entziehen, sofern mir diese schadet? Oder zählt dieses Recht für Kinder nicht? Zu groß ist wohl die Gefahr, dass sie zu frei denken könnten. Dass sie sich nicht ins System biegen lassen. Und ja, es ist bei genauer Betrachtung wirklich nichts weiter als ein biegen und beugen.

Erst gestern hat die Klassenlehrerin meines Sohnes ihm gedroht er solle sich den Regeln der Schule beugen, denn sonst könne schnell ein Schulverweis folgen. Der Hintergrund dazu: Mein Sohn wurde mehrmals von einem Mitschüler in den Rücken getreten. Wohl bemerkt so heftig, dass der Rücken auch zuhause noch ganz geschwollen war. Nach dem zweiten Tritt hat mein Sohn gegen den Schulranzen des anderen Jungen getreten. Eine Pausenaufsicht (weiß der Teufel, warum diese nicht eingegriffen hat), konnte den Hergang bezeugen. Dennoch soll nun auch mein Sohn bis auf unabsehbare Zeit nicht mehr in die Pause dürfen, sondern diese vor dem Lehrerzimmer verbringen. Er weigerte sich, mit der Begründung, dass er auch mal frische Luft schnappen möchte und die Lehrerin drohte ihm mit oben genannten Worten. Des weiteren muss ich zu einem Gespräch mit der Schulleitung erscheinen.

So Vorfälle gibt es etliche und immer wieder wird zu „schwarzer Pädagogik“ gegriffen. Das Kind soll sich gefälligst den herrschenden Regeln unterwerfen. Kein Wunder, dass diese Form der Pädagogik noch aus der Nazi-Zeit stammt. Du gehorchst nicht? Dann wirst du halt bestraft. Du willst Freiheit? Dann unterdrücke ich dich.

Doch egal wie sehr mir das alles bewusst ist. Was sollen wir, als liebende Eltern bloß tun, wenn dir im Falle der Schulverweigerung sogar damit gedroht wird, das Sorgerecht zu entziehen, da du das angeblich das Wohl deines Kindes gefährdest? Ist das nicht paradox? Gefährde ich das Wohl meines Kindes etwa nicht, wenn ich es jeden Tag trotz Panikattacken, Alpträumen und Schmerzen in die Schule schicke?

Es ist ermüdend, aber wir werden kämpfen. Wir werden dich nicht im Stich lassen, nur weil ein veraltetes Gesetz uns dazu zwingen will. Du hast das Recht glücklich zu sein!

Weitere Gründe gegen die Schulpflicht findet ihr hier!

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2 Comments

  • Reply Cherry 17. Januar 2018 at 19:50

    Oh Gott, das bricht mir das Herz. Gibt es bei euch so etwas wie freie Kinderschulen oder die Waldorfschule? Vielleicht wäre das ja eine Alternative.
    Mein Sohn ist erst 16 Monate alt. Bis zur Schule dauert es also noch. Aber schon ich hätte meine Probleme mit der Schule und habe sehr gelitten. Leider hatte ich keine einfühlsamen Eltern und musste in die Schule. Ich habe das totale Probleme mit unserem Schulsystem. Und das obwohl ich als Sozialarbeiterin im Jugendamt arbeite. Ich finde dieses unterdrücken und klein machen der Kinder ganz furchtbar für mich stellt sich auch immer die Frage, ob das alles wirklich notwendig ist, was sie dort lernen.

    • Reply AVEC QUATRE 30. Januar 2018 at 11:48

      Hallo Cherry,

      entschuldige, dass ich so lange zum antworten brauchte. Wir hatten bereits ein Gespräch bei der Waldorfschule, die aber leider komplett überfüllt ist. Eine freie Schule ist für unseren Sohn leider auch nicht erreichbar. Ich muss sagen, ich finde es gerade total schön zu lesen, dass du als Mitarbeiterin beim Jugendamt, auch Probleme mit diesem System hast. Das lässt mich ja doch ein wenig hoffn, dass es in diesem Amtsbereich noch mehr Menschen wie dich gibt. Es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, wie Jugendämter selbst bei Kindern, die ganz klar durch die Schule krank geworden sind, auf die Schulpflicht pochen können. Da geht es doch in keinster Weise um das Wohl eines Kindes.

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