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Schule und die Worte junger Menschen

17. September 2020
Kinder, Homeschooling

Etwa ein Jahr lang habe ich Aussagen von jungen Menschen über das Regelschulsystem gesammelt. Ich möchte nicht viel zu diesen äußern, sondern die Worte einfach wirken lassen. Was ihr damit macht und ob sie euch berühren, möchte ich nicht beeinflussen. Ich gebe die Aussagen exakt so wieder, wie sie getätigt wurden: Keine Beschönigung, keine Dramatisierung. Ich habe noch weit mehr gesammelt, als in diesen Beitrag zu lesen. Bei Interesse mache ich gerne einen Teil zwei.

Worte der jungen Menschen

Phil, erste Klasse, Grundschule: „meine Lehrerin schreit immer so viel.“

Lara, siebte Klasse, Gymnasium: „Manchmal sitze ich bis Abends an den Hausaufgaben.“

Collin, neunte Klasse, Gymnasium: „ Freizeit habe ich kaum. Ich habe drei Mal in der Woche bis 15.30 Schule. Dann brauche ich knapp eine Stunde für den Heimweg und danach muss ich Hausaufgaben machen und lernen.“

Ayshe; sechste Klasse, Realschule: „Sogar die Lehrer machen Witze über mein Kopftuch.“

Damian, zweite Klasse, Grundschule: „Zuhause kann ich besser lernen. In der Schule ist es so laut.“

Maria, zehnte Klasse, Gesamtschule: „ Meine Lehrerin, hat gesagt, dass ich das Abitur niemals schaffen werde, deshalb mache ich jetzt lieber eine Ausbildung.“

Mehmed, neunte Klasse, Gymnasium: „ Als ich meinem Klassenlehrer erzählte habe, dass ich Englisch studieren möchte, hat er gelacht und gesagt: „dabei sind Türken doch die geborenen Erntehelfer.“

Sina, erste Klasse, Grundschule: „ Meine Lehrerin wird schnell wütend. Einmal hat sie mich in den Arm gekniffen, als ich auf Toilette gehen wollte. Sie hat es mir verboten. Dann habe ich mir aus Versehen in die Hose gemacht und alle haben gelacht.“

Paul, achte Klasse, Realschule: „Der Schulstoff ist veraltet und bringt uns für die Zukunft kaum etwas. Es wäre cool, wenn wir Dinge lernen würden, die wir später brauchen. Außerdem würde ich gerne mehr praktisch machen, anstatt dauernd Theorie.“

Klara, vierte Klasse, Grundschule: „Ich würde so gerne Homeschooling machen. Ich kann mich zuhause viel besser konzentrieren.“

Jens, dritte Klasse, Grundschule: „ Als mein rechter Arm gebrochen war, hat meine Lehrerin trotzdem verlangt, dass ich alles mitschreibe. Mit tat dann der Arm noch mehr weh. Meine Lehrerin meinte, dass ein Gips keine Entschuldigung ist.“

Mira, fünfte Klasse, Gesamtschule: „In der Schule werde ich immer fertig gemacht, weil meine Eltern mir keine Markenkleidung kaufen können. Manchmal werde ich auch angespuckt. Die Lehrer machen dagegen gar nichts. Homeschooling war toll, da konnte ich in Ruhe lernen und mich Nachmittags mit meinen Freunden treffen, die alle auf andere Schulen gehen.“

Ali, zwölfte Klasse, Gymnasium: „ Ich bin immer nur der dumme Flüchtling. Keiner meiner Lehrer glaubt an mich.“

Janine, erste Klasse, Grundschule: „ Meine Lehrerin hat gesagt ich bin zu dick für Sport.“

Aaron, siebte Klasse, Hauptschule: „ Ich möchte an eine freie Schule. In meiner Schule halte ich es nicht mehr aus.“

„Dima, elfte Klasse, Gymnasium: „Ich frage mich immer, warum wir Kinder nicht ernst genommen werden. Anscheinend geht es in diesem System nicht um uns, sondern eben nur ums System.“

Alexandru, neunte Klasse, Realschule: „ Manche Lehrer werden auch handgreiflich. Manchmal habe ich das Gefühl sie haben keinen Bock auf ihren Job und lassen es an uns aus.“

Kiki, zehnte Klasse, Gesamtschule: „ Meine Eltern sind krank und können nicht arbeiten. Wir wohnen in einer Sozialwohnung und ich gehe auf eine Brennpunktschule. Was glaubst du, was ich für eine Zukunft habe? Trotz meiner guten Noten habe ich kaum Chancen.“

Kodjo, vierte Klasse, Grundschule: „Ich muss morgens um 5.30 Uhr aufstehen um pünktlich in der Schule zu sein. Abends muss ich um 7 Uhr ins Bett und bin morgens trotzdem nicht ausgeschlafen. Dann bekomme ich Ärger von den Lehrern. Es wäre cool, wenn Schule erst um 9 Uhr anfängt.“

Stella, zweite Klasse, Grundschule: „Ich habe immer Angst, wenn meine Lehrerin schreit, nur weil ich etwas nicht verstanden habe. Manchmal kommt sie dann ganz nah vors Gesicht und sagt, dass ich nicht schlau bin.“

Emil, vierte Klasse, Grundschule: „ Eine neue Lehrerin hat gesagt, dass wir ja alle schlau aussehen und hoffentlich gut Mathe können. Ich habe mich gemeldet und gefragt, wie denn dumme Menschen aussehen. Sie hat mich dann angeschrien und gesagt ich sei respektlos und würde sie verarschen wollen. Das stimmt aber nicht. Ich fand es nur blöd Leute nach dem Äußeren zu bewerten.“

Paula, zehnte Klasse, Gymnasium: „ Wir Schüler habe keine Rechte und sind den Launen der Lehrer ausgeliefert. Homeschooling im Wechsel mit Präsenzpflicht war viel entspannter. Die Klasse war kleiner, die Lehrer besser drauf und wir haben in dieser Zeit so viel besser gelernt. Warum kann es nicht immer so sein?“

Dennis, dritte Klasse, Grundschule: „Ich hatte mal Streit mit meinem Kumpel und musste weinen. Ich wollte nur kurz vor dem Klassenraum, weil ich mich geschämt habe. Meine Lehrerin hat mich aber am Ohr in die Klasse gezogen und geschrien, dass ich mich hinsetzen soll. Seitdem hab ich irgendwie Angst vor ihr.

Leni, vierte Klasse, Waldorfschule: „ Die ersten drei Jahre hatte ich immer Angst zur Schule zu gehen. Jetzt bin ich auf einer Waldorfschule und da gehe ich gern hin. Alle sind nett und niemand schreit.“

Tim, achte Klasse, Gesamtschule. „Ich musste meinen Sport aufgeben, weil ich zu lange Schule und zu viele Hausaufgaben habe. Das macht mich ziemlich fertig und ich bin nur noch traurig.“

Selma, vierte Klasse, Regelschule: „ Ich muss immer die Tafel wischen. Kein anderes Kind. Vielleicht weil ich die einzige Türkin in der Klasse bin.“

Lukas, siebte Klasse, Freie Schule: „ Für mich war Schule immer die Hölle. Jetzt gehe ich aber auf eine freie Schule und da kann ich endlich richtig lernen. Die Lehrer sind super und immer für uns da. Außerdem nehmen sie sich auch richtig Zeit zum erklären.

Daphne, erste Klasse, Grundschule: „ Ich möchte gerne zuhause lernen. Meine Cousine wohnt in Österreich und darf das. Sie ist 8 und kann schon Englisch, Spanisch und Französisch.

Mustaffa, neunte Klasse, Gymnasium: „Mein Lehrer sagt, ich habe auf dem Gymnasium nichts zu suchen. Obwohl ich nur eine Drei habe und ansonsten Einsen und Zweien.“

Carina, zehnte Klasse, Gesamtschule: „ Ich wünschte die Lehrer würden uns ernster nehmen. Außerdem würde ich gerne mehr von dem lernen, was ich später brauche.“

Lars, vierte Klasse, Grundschule: „ Manchmal machen mir dir Lehrer Angst. Meine Sportlehrerin hat gesagt ich soll abnehmen um schneller laufen zu können. Jetzt esse ich nur noch ganz wenig. Das finde meine Lehrerin toll.“

Layla, achte Klasse, Gymnasium: „ Viele in unserer Klasse kommen bei dem ganzen Stoff nicht mit. Wir müssen so viel lernen, dass kaum noch Freizeit bleibt.“

Karim, fünfte Klasse, Realschule: „ Ich habe mir die Haare abgeschnitten, weil mich alle als Mädchen bezeichnet haben. Als ich das damals meinem Klassenlehrer erzählt habe, meinte er nur, ich bräuchte mich nicht wundern. Ich sehe halt schwul aus.“

Marlen, dritte Klasse, Waldorfschule: „ Ich bin froh auf dieser Schule zu sein. Meine Freundin, die auf eine andere Schule geht ist immer traurig, weil die Lehrer oft gemein sind. Außerdem muss sie mega viel Hausaufgaben machen und hat fast nie Zeit.

Simon, achte Klasse, Gymnasium: „Der Druck ist sehr hoch und ich finde schade, dass es so wenig Miteinander gibt.“

Mona, vierte Klasse, Grundschule: „Wenn wir etwas nicht verstehen, haben wir Pech gehabt. Das finde ich traurig. Außerdem würde ich gerne mehr Freizeit haben.“

Luca, neunte Klasse, Hauptschule: „ An unserer Schule gibt es viel Ärger und Gewalt. Ich habe die Zeit im Homeschooling sehr gemocht, weil ich viel besser lernen konnte. Das Konzentrieren fiel mir leichter und ich mag es selbständig zu arbeiten.“

Celina, siebte Klasse, Realschule: „Wenn man so aussieht wie ich, hat man es in der Schule schwer. Ich versuche nun abzunehmen, aber durch meine Krankheit ist das schwierig. Privat habe ich viele Freunde, aber in der Schule niemanden. Ich wünschte ich könnte Homeschooling machen und würde nicht gezwungen werden, an einen Ort zu gehen, der mir überhaupt nicht gut tut.“

Karim, sechste Klasse, Realschule: „Ich werde oft beleidigt, weil ich nicht in Deutschland geboren bin. Das macht mich echt fertig und ich hoffe ich kann bald die Schule wechseln.

Dana, dritte Klasse, Grundschule: „ Ich gehe nicht gerne in die Schule! Die Lehrer sind oft nicht so nett und sie schreien wegen jeder Kleinigkeit. Außerdem bekommen wir so viele Hausaufgaben auf, dass ich an vielen Tagen keine Zeit zum spielen habe.“

„Pietro, neunte Klasse, Gymnasium: „ Ich finde schlimm, dass wir Jugendlichen überhaupt nicht gehört werden. Was wir wollen interessiert in diesem System niemanden.“

Lina, erste Klasse, Grundschule: „ Ich weiß nicht warum die Lehrer immer so schnell wütend werden. Manchmal habe ich richtig Angst.“

Sandro, zehnte Klasse, Realschule: „Unsere Meinung interessiert niemanden. Wir werden gezwungen in der Schule zu sitzen, ob sie uns gut tut oder nicht ist egal. Ich fand Homeschooling super. In der Zeit habe ich zusätzlich zum Schulstoff auch noch Zeit gehabt Italienisch zu lernen.“

Merle, dritte Klasse, Freie Schule: „In der alten Schule war es schrecklich. Jetzt gehe ich auf die freie Schule und es macht richtig Spaß. Letztens haben wir ein Aquarium selber gebaut und wir haben alles selber vorgezeichnet und die Maße berechnet. Das war cool.“

Adam, neunte Klasse, Gymnasium: „Schule ist ja generell die Hölle, aber jetzt mit Mundschutz und Abstandsregeln ist es noch schlimmer.“

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3 Comments

  • Reply Levi 18. September 2020 at 9:25

    klare Worte – ehrliche Worte – Worte ohne jemanden angreifen zu wollen – lediglich feststellend – Worte, die selten gehört werden – Worte, die Fragen stellen und selten Antworten erhalten – verzweifelte Worte, weil die Kinder allein nicht die Chance haben etwas an der Situation zu ändern… danke für diesen wertvollen Beitrag und ja, ich fände einen zweiten Teil wichtig!

  • Reply Laura 17. September 2020 at 10:53

    Die Eindrücke sind teils heftig und aufschlussreich. Ich finde die Betrachtung allerdings einseitig, weil mir die Möglichkeit fehlt, beide Seiten zu hören.

    • Reply AVEC QUATRE 17. September 2020 at 11:18

      In der Tat würde ich es auch sehr interessant finden, zu hören, wie Lehrer/Innen auf diese Aussagen regieren. Dennoch finde ich es vollkommen legitim, wenn es einfach auch mal nur um die Kinder geht…Diese werden nämlich bedeutend seltener gehört. 🙂

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