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Scheiß Gender-Marketing: Mein Sohn mag pink-na und!

5. Juli 2017

Letztens, als ich gerade die frisch gewaschene Wäsche in meinen Kleiderschrank räumte, gesellte sich einer meiner Söhne zu mir und beobachtete mich beim falten. Nach kurzer Zeit stand er auf und griff nach einer meiner Blusen-einer pinken Bluse! „Die finde ich so richtig schön. Kann ich auch mal ein Hemd in so einer Farbe bekommen?“ Er fragte dies voller Überzeugung, ganz ohne Scham oder auch nur einen Hauch von Unsicherheit.

Daraufhin ist mir dann mal etwas klar geworden:

Mein Ältester interessiert sich für Pferde, der eine Zwilling liebt Mode und hat schon jetzt einen Schuhtick, der Andere mag Pink, Rosa, Ballett und Nagellack, will Friseur werden, aber auch Steinkünstler. Gleichzeitig spielen alle drei gerne Fußball, Schlagzeug, Lego Star Wars und seit Neustem, es treibt mich zur Weißglut- Catchen.

Wie passt das nun zusammen?

Für viele offensichtlich und erstaunlicher Weise gar nicht! Ihr glaubt nämlich nicht, wie oft ich bereits gehört habe: „Wie dein Sohn geht reiten? Das ist doch eigentlich eher ein Mädchen Hobby, findest du nicht?“

Oder ganz krass war dieses Erlebnis auf dem Fußballplatz, als eine der „Ich-hab-schon-Dollar-Zeichen-in-den Augen-Mütter (weil Sohnemann natürlich auf jeden Fall Fußballprofi wird) zu meinem Kleinen sagte, er solle lieber schnell den Nagellack abmachen, sonst würden die Anderen ihn noch auslachen. Begründung: Das sei nur ewas für Mädchen! Mir hat sie dann noch ins Ohr geflüstert, ich solle unbedingt aufpassen, denn so würde es anfangen und dann sind die Jungs später schwul. AHA! Ihr könnt mir ruhig glauben, dass die Dame die passende Antwort von mir bekommen hat. Danach hat sie sich immer so gut sie konnte, von mir ferngehalten.

Nun ja, mal ganz abgesehen davon, dass ich kein Problem damit hätte, wenn meine Jungs mir sagen würden, dass sie schwul sind, liegt ihre Offenheit wohl darin begründet, dass es bei uns keine geschlechtsspezifischen Zuweisungen gibt. Es gibt einfach keine typischen Mädchen-oder Jungssachen und so lange man so etwas nicht zum Thema macht, ist es halt auch kein Thema!

Leider ändert sich das oft, sobald die Kinder den gesellschaftlichen Druck mehr und mehr zu spüren bekommen. Spätestens in der Schule, ist dann traurigerweise relativ klar geregelt, was Jungs oder eben Mädchensache ist. Umso stolzer bin ich auf meinen Großen, dass er bei seinem Hobby, reiten, geblieben ist, obwohl er schon öfters von den Jungs in der Klasse belächelt wurde. Allerdings geht rosa, pink und Co. für ihn jetzt nicht mehr, denn irgendwie gefallen und dazugehören möchte er ja doch.

Es ist so traurig! Unsere Gesellschaft tut immer so aufgeklärt und modern, ist aber letztlich viele Themen betreffend immer noch sehr altmodisch und engstirnig.

Wir sollten uns auch bewusst machen, dass hinter diesem Blau-Rosa-Mist eine ganz üble Gender-Marketing Strategie steckt.

Es lohnt sich für Unternehmen ungemein uns ständig daran zu erinnern, dass wir ein Geschlecht haben. Schließlich können diese ihre Produkte so doppelt entwerfen-einmal für´s Männlein, einmal für´s Weiblein. Bedeutet im Endeffekt, mehr Kohle für die Firmen, durch gute Manipulation unserer Gedanken-Daumen hoch für den Kapitalismus. Noch schlimmer ist aber, dass dieses Gender-Marketing bereits Kindern die Möglichkeit erschwert, sich frei zu entfalten. Mädchen, das muss ich ja nun mal zugeben, haben es diesbezüglich noch ein klein bisschen leichter. Wenn Mädchen sich den Fußball krallen, die Jungs beim Basketball platt machen, das Skateboard gegen das Tutu tauschen oder lieber das Shampoo mit dem Pirat wollen, anstelle der Prinzessin, sind sie kleine Rebellinnen. Rebellinnen sind in der Regel cool und somit akzeptiert! Jungs hingegen haben es da etwas schwieriger! Ein Junge im Pailetten-Shirt, der gerne den Barbies die Haare kämmt geht doch eigentlich gar nicht, oder!?!

So, wenn also ganz klar geregelt ist, was Jungstypisch und was Mädchentypisch ist, wie verdammt nochmal sollen sie dann ihre eigenen Vorlieben herausfinden?

Es wird nicht zu 100% funktionieren und deshalb sollten Eltern ganz dringend wegkommen von diesem einzementiertem Gender-Denken. Lasst uns endlich wirklich tolerant sein und nicht nur ständig über Toleranz schwafeln. Vielleicht schaffen wir dann wenigstens für unsere Kinder eine Zukunft, in der Wörter wie zum Beispiel Feminismus und Gender-Politik keine Rolle mehr spielen.

Achso, natürlich hat mein Sohn nun ein pinkes T-Shirt! 🙂

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2 Comments

  • Reply *thea 5. Juli 2017 at 13:29

    Fine ich super, dass du deine Meinung hier – aber auch im echten Leben sagst und auch so vertrittst. Dieser ganze Gender-Wahnsinn ist echt bescheuert, das beobachte ich sogar als Nicht-Mutter, dass die Kinder oft gar nicht das machen dürfen was sie wollen, wegen der Gesellschaft. Es sollte wieder viel mehr geschlechtsneutrales Spielzeug geben. LG *thea

    • Reply AVEC QUATRE 16. Juli 2017 at 8:59

      Absolut, aber das wollen die Firmen natürlich nicht! 🙁 Danke für deine lieben Worte. Es tut gut bez. meiner Meinung nicht immer auf Unverständnis zu stoßen. 🙂

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