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Mit dem Camper durch Griechenland

8. Juli 2020

Mit dem Camper durch Giechenland

Camping Griechenland

Irgendwo zwischen Volos und Athen fahren wir auf einem kleinen Feldweg zwischen Olivenbäumen Richtung Strand. Es ruckelt ordentlich und uns ist klar, nach dieser Piste hat unser Camper Möhrchen wieder einige Kratzer mehr im Lack – Dellen wahrscheinlich auch. Nach ein paar weiteren Metern hält uns eine ältere Frau am Wegesand mit fuchtelnden Armen an. Sie begrüßt uns mit dem herzlichsten und wärmsten zahnlosen Lächeln, welches ich je gesehen habe. Wir unterhalten uns auf griechisch und sind eingeladen in ihrem Olivenhain ein Picknick zu machen. Ganz allein rackert sie täglich zwischen den Bäumen und sie freut sich sehr über die Abwechslung, die wir ihr – um es mit ihren Worten zu sagen – schenken. Wir essen zusammen und bieten unsere Hilfe bei der Arbeit an. Doch sie lehnt ab und will Schluss machen für heute. Zum Abschied schenkt sie uns einen großen Beutel, voll mit frischem Obst. Eine Familie braucht viel zu essen, erklärt sie uns. So sind wir Giechen halt, sagt Dino (mein Mann) und schmunzelt in seinen Bart.

Nach knapp einem Kilometer weiterer Huckelpiste, erreichen wir eine Plattfom neben gigantischen Felsen. Hier stellen wir unser Möhrchen ab. Ein kleiner Pfad füht uns runter zum Strand und dieser verschlägt uns die Sprache. Wir sind allein! Allein in dieser unfassbar atemberaubenden Bucht, die uns mit ihrer Schönheit umamt und uns vor Dankbarkeit das ein oder andere Tränchen entlockt.

griechenlands einsame strände

Lange sitzen wir dort, springen immer wieder in das angenehm warme azurblaue Wasser und merken gar nicht wie es längst spät geworden ist. Nur der Appetit auf gegrillte Spitzpaprika, Auberginen und griechischem Wein treibt uns zurück zum Bus. Bei offenen Türen und dem Meeresrauschen als Schlafmelodie, vebringen wir eine herrliche Nacht.

Obwohl wir uns in der Hochsaison befinden, ist es auch in den nächsten Tagen kein Problem immer einen einsamen Strand oder eine Bucht zu finden. Dennoch zieht es uns nach einer Weile ins Hinterland. Mehr Mystik, mehr Wildness und Berge. Wir machen uns auf den Weg zum Epirus. Hier scheint die Zeit wirklich still zu stehen. Autos begegnen uns keine. Lediglich ein paar Ziegen, Esel, Hunde und Pferde stehen ab und an auf der Straße und beschnuppern neugierig unseren Bus. Wir steigen aus und füttern die Straßenhunde. Ein hartes Thema, welches uns immer wieder zerreißt. Ich weiß gar nicht wie viele Hunde wir schon zum Tierarzt oder ins Shelter gebracht haben. Auch unser drei Hunde sind ehemalige Straßenhunde aus Griechenland und dort Tierschutzarbeit zu leisten, liegt uns sehr am Herzen. Ich denke ich muss unbedingt auch darüber mal schreiben – doch ein anderes mal.

Mit dem Camper im Epirus

Wir fahren also weiter. Die Straßen sind kurvig und oft geht es ziemlich steil bergauf und bergab. Möhrchen ist zwar langsam, kommt aber immer gut oben an. Um noch ein bisschen Obst und Gemüse einzukaufen, fahren wir in eins der kleinen Bergdörfer, welches so unbeschreiblich schön ist, dass wir noch einen Spaziergang durch die Gassen machen. Die Bewohner freuen sich, dass wir in ihrem Dorf vorbeischauen und laden uns für den nächsten Abend zum essen in die Taverne ein. So sind wir Griechen halt, sagt Dino wieder und feut sich sichtlich über die Gastfreundschaft seiner Landsleute. Für den Rest des Tages und die Nacht stellen wir uns an den Fluss Acheron.

In der griechischen Mythologie war das Tal des Acheron der Ort, wo die Seelen der Toten wohnten.

Um zum See Acherousia zu gelangen, mussten die Seelen der Toten den Fluss überqueren. In dessen Tiefen befand sich das Reich des Hades, die Unterwelt. Ein wilder, unbarmherziger Hund namens Kerveros, welcher drei Köpfe und einem Drachenschwanz hat, bewachte den Eingang. Nur der Fährmann Haron konnte die Seelen mit seinem Boot in die Unterwelt bringen. Doch war diese Reise nicht umsonst! Haron verlangte einen Obulus von einer Münze. Die Münze, die sich unter der Zunge der Toten befand. Seelen, die den Preis der Reise nicht aufbringen konnten, waren dazu verurteilt, ewig am Ufer des Flusses umher zu wandeln. Man sagt, noch heute hört man sie des Nachts weinen.

Ihr mögt uns ja für verrückt halten, aber in der Tat, ist die Nachts so, als würde ein ewiges Flüstern über dem Fluss liegen. Zudem ist es ungewöhlich kalt und irgendwie spüen wir eine Existenz, die nicht erklärbar scheint. Nun ja, wir schlafen dennoch ganz gut und am nächsten Morgen ist von der doch etwas gruseligen Stimmung nichts mehr zu vernehmen. Die Kinder planschten im Fluss und wieder Mal erfreuen wir uns über die Ruhe. Einige Zeit später kommt Dimitrios, einer der Dorfbewohner, mit seinen Kindern Anna und Stavros vorbei. Mitunter um uns an das gemeinsame Abendessen in der Taverne zu erinnen. Natürlich haben wir das nicht vergessen und so fahren wir gegen 19 Uhr gemeinsam den Berg rauf. Oben angekommen trauen wir unseren Augen kaum. Das gesamte Dorf hat sich auf dem Platz vor der Taverne, dem eigentlichen Kirchplatz, versammelt…Und aus dem gemeinsamen Abendessen ist ein richtiges Fest geworden. Wir tanzen, lachen und trinken bis spät in die Nacht, während alle Kinder gemeinsam Fußball und verstecken spielen. Traumhaft! Diese Geselligkeit, diese Herzlichkeit, vermissen wir in Deutschland doch sehr.

Am nächsten morgen schlafen wir recht lang und dann heißt es Abschied nehmen. Wieder erscheint so gut wie jeder aus dem Dorf und wir vesprechen, dass wir wieder kommen.

Unser Weg führt weiter durch die Berge in Richtung Bulgarien. Bis wir an der Grenze ankommen, haben wir noch etliche Wow-Momente erleben dürfen. Und wieder einmal merken wir, dass wir eigentlich genau hierher gehören. Die Gedanken an die Heimreise triebt und die Tränen in die Augen und nur das Wissen, das wir immer wieder kommen, lässst uns den Schmerz ertragen.

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