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Minimalismus und decluttering: muss das wirklich sein?

21. Februar 2017

Minimalismus die neue Welle, Nachhaltig leben, Urban

Verzicht heißt der „neue“ Trend, der mittlerweile überall im Netz zu finden ist, wenn auch eher mit dem Wort Minimalismus bezeichnet! Es hat sich ein Gegenstrom zu den Konsumgöttern gebildet. Zu den Alles-haben-Wollern und Ich-brauch-das-JETZT, SOFORT!!!-Käufern.

Ja, bewussteres konsumieren finde ich gut und wichtig, aber minimalistisch leben möchte ich ehrlich gesagt nicht. So habe ich in letzter Zeit im Zusammenhang mit dem Wort minimalistisch auch immer wieder das Wort decluttering gelesen bzw. gehört. Man könnte es zwar auch ganz simple ausmisten nennen, aber das hört sich zugegeben weniger hip an. Es geht also darum, das Zimmer, die Wohnung, das Haus oder das Leben zu entrümpeln und ja, diese Schubladen mit Krempel, den man nicht unbedingt braucht, habe ich auch. Generell kommt mir da die Grundsatzfrage in den Sinn: Was brauchen wir überhaupt zum Leben? Befasst man sich eine ganze Weile kritisch mit dieser Frage, dürften wir wohl allesamt zugeben und somit den Minimalisten zustimmen, dass wir die meisten Dinge getrost aus unserem Leben streichen oder auch schmeißen könnten,sofern wir denn wollen. Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass viele Menschen sich nach einer Kern-Entrümplung ihres Hab und Guts befreit fühlen, finde aber dennoch, dass man dieses Befreiungsgefühl nicht pauschalisieren sollte.

Nicht jeder ist mit 5 T-Shirts glücklich und zufrieden. Nicht jeder möchte nur eine einzige Blume auf der Fensterbank stehen haben. Nicht jeder will seine gesamte Bibliothek digitalisieren, weil das Wohnzimmer dann leerer ist. Ich gebe zu, ich möchte dies nicht! Schon allein der Gedanke, meine Bücher auszumisten, die ich doch über viele Jahre hinweg zusammen gekauft oder gesammelt habe, löst in mir einen Herzklabaster aus. Ich weiß für mich persönlich, dass ich mich von vielen Sachen nicht trennen möchte und das es mich nicht glücklich, sondern eher traurig machen würde, wenn diese plötzlich nicht mehr da wären.

Nun ist mir allerdings bereits mehrmals zu Ohren gekommen, dass man nur dann wirklich nachhaltig leben kann, wenn man auch minimalistisch lebt und nach langer Grübelei muss ich jetzt einfach mal sagen: Das ist Mumpitz (Schwachsin). Wieso lebe ich mit nur 5 T-Shirts nachhaltiger als mit 10 oder 50? Wieso lebe ich nachhaltiger, wenn ich keine Bücher besitze oder meine Gitarren verschenke?

Also ich denke, ich kann hundert Paar Schuhe besitzen und trotzdem nachhaltig leben. Wichtig ist doch, auf was für eine Art und Weise bzw. wo ich konsumiere!

Minimalismus ist mit Sicherheit für viele der richtige Weg und ich verstehe auch den Aspekt, des Nicht-abgelenkt-sein und des Ich-konzentriere-mich-auf-das-wesentliche, aber dennoch ist dieser Weg nicht der einzig Wahre. Ich lebe nachhaltig, vegan und fair und bin trotzdem glücklich mit meinen vielen Klamotten, meinem Deko-Kram und meinen Büchern!

Und weil ich oft das Gefühl habe, dass viele sich regelrecht selbst unter Druck setzen, wenn es um ein nachhaltiges Leben geht, möchte ich noch einen Spruch zitieren, den ich vor einiger Zeit gelesen habe: „Es ist mehr wert, wenn eine große Menge in kleinen Schritten in die richtige Richtung geht, als ein Einziger, der alleine läuft.“

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7 Comments

  • Reply Sabrina 22. Februar 2017 at 20:29

    Liebe Rebecca!

    Toller Artikel! Ich hab einen ähnlichen Beitrag in der Pipeline. Ich werde mich darin vom Minimalismusbegriff verabschieden.

    Dennoch glaube ich, dass weniger mehr ist. Denn mit weniger T-Shirts in meinem Schrank, weniger Taschen, Schuhe etc. werden weniger Rohstoffe verarbeitet. Das betrifft fair gehandelte bzw. nachhaltige Rohstoffe genau so. Theoretisch zur Zeit. Ändern wird sich nur etwas, wenn eine für die Industrie spürbare Anzahl an Menschen genau so denken und auch handeln.

    Minimalistin werde ich jedoch auch nie eine werden. Wie du schreibst, es gibt Dinge, von denen man sich nicht trennen möchte. Geht mir ganz genau so. Denn da hängt primär Emotion dran. Und von Emotionen oder Erinnerungen möchte ich mich nicht trennen. Die sind ein Teil von mir.

    Alles Liebe

    Sabrina

    • Reply beccs@ruhrstyle 4. März 2017 at 7:10

      Hallo liebe Sabrina,

      bei mir funktioniert das mit weniger Klamotten überhaupt nicht gut. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich jeden Tag mit drei Kindern und Hunden unterwegs bin und da möchte ich natürlich trptzdem ordentlich aussehen. Allerdings werden die Klamotten auch häufiger dreckig und wenn ich nur drei Hosen hätte, müsste ich jeden Tag 2 Mal waschen. Das wäre auch nicht unbedingt nachhaltig. 🙁

      Aber ganz abgesehen davon stehe ich mttlerweile dazu: Ich liebe Mode und mag es mit dieser zu experimentieren. Von daher passt ein minimalistischer Kleiderschrank nicht zu mir. Ist dein Artikel aus der Pipeline schon online gegangen?

      Liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Jenni 22. Februar 2017 at 19:42

    Liebe Rebecca,

    ich finde diesen Beitrag klasse! Und das, obwohl ich aus der „Minimalisten-Ecke“ komme. 😉
    Ich bin aber ebenso wie du überzeugt davon, dass es kein Dogma geben darf – niemals und nirgens. Man sollte – so abgedroschen das auch schon wieder klingt – das tun, was einen glücklich macht.
    Wenn das bei uns die wenigen Dinge sind, dann ist das so – wenn das bei dir die vielen Dinge sind, mit denen du Erinnerungen verbindest und die du gerne um dich hast, dann ist das so. Da gibt es kein Richtig und Falsch.
    Wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass Weniger für mich Mehr ist, dann muss das auf keinen Fall auch auf dich zutreffen. Der Knackpunkt liegt in der Form des Konsums: Wo kommen die Sachen her, die ich besitze? Das ist der Schlüsselweg zur Nachhaltigkeit, finde ich. Nicht, ob du 100 oder 10.000 Gegenstände besitzt.

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply beccs@ruhrstyle 4. März 2017 at 7:18

      Hallo Jenni,

      ich freue mich riesig, so einen positiven Kommentar von dir zu bekommen. Wie ihr das umsetzt finde ich toll und ich kann mir wie bereits geschrieben auch vorstellen, dass es für viele der richtige Weg ist. Man hört ja immer wieder, dass viele Menschen sich nach einer Entrümplung befreit fühlen. Bei mir ist das übrigens auch so, wenn ich zum Beispiel Kleidung der Kinder, oder auch von mir, die einfach nicht mehr passt verschenke oder auf dem Flohmarkt verkaufe. Es ist nur so, dass ich halt nicht auf ganz reduziert umsteigen möchte, obwohl mir die Tage in einem Gespräch aufgefallen ist, dass wir tatsächlich gar nicht so viel haben, wie ich dachte. Dabei ging es allerdings eher um Elektrokram, Kosmetik und nicht um Kleidung, Bücher oder Deko. 🙂

      Liebste Grüße
      Rebecca

  • Reply *thea 21. Februar 2017 at 13:12

    Ich finde zwar, dass die Anregungen zu Ausmisten und entrümpeln schon etwas bringen – ich schiebe es doch immer viel zu lange vor mir her – aber ein richtiger Minimalist werde ich wohl nie. Ich liebe meine Bücherregale und Dekosachen – aber finde die Idee, die Sachen vorzugswiese second zu kaufen oder auch mal diy zu machen und die Dinge, die man nicht mehr braucht weiter zu geben auch gut, wenn man kein Minimalist ist. Liebe Grüße *thea

    • Reply beccs@ruhrstyle 21. Februar 2017 at 13:32

      Hola Thea,

      second hand zu kaufen empfinde ich als die beste Möglichkeit nachhaltig zu konsumieren, egal ob bei KLeidung, Büchern oder Möbeln. Auch ne ziemlich tolle Sache sind die Bibliotheken der Dinge. Utopia hat gestern noch darüber geschrieben. Und klaro, alles was man selbst nicht mehr behalten will, sollte man dennoch versuchen weiterzugeben und nicht wahrlos entsorgen. In den meisten Fällen gibt es jemanden der sich über das aussortierte Teil freut. 🙂

      Liebe Grüße
      Rebecca

      • Reply *thea 21. Februar 2017 at 17:55

        Das ist echt interessant mit der Bibliothek der Dinge, danke für den Hinweis! Gerade bei Werkzeug ist es ja oft so – man halt so viel Zeug, wenn man aber mal was werkeln will, das gerade passende nicht zur Hand – da wäre sowas in der Nachbarschaft echt praktisch. Liebe Grüße!

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