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Frei stehen an der Ostsee mit Polizeibesuch

9. Juli 2020
frei stehen an der Ostseeküste

Dank der in Deutschland bestehenden Schulanwesenheitspflicht, ist das Reisen hierzulande ja leider nur sehr eingeschränkt möglich. Uns bleibt also oftmals nur die Möglichkeit eines Kurztrips und diese gestalten sich im dicht besiedelten Deutschland nicht immer so leicht – sofern man denn mit seinem Camper frei stehen möchte. Klar, hier gilt die Regel, dass man überall zur Herstellung der Fahrtüchtigkeit für eine Nacht stehen darf, aber Verbotsschilder für Wohnmobile setzen diese Regel gerade in Küstennähe häufig außer Kraft. Das haben wir einmal Pfingsten auf unserer Tour durch die Holsteinische Schweiz, hin zur Küste erlebt.

Die Kids sind genervt und wollen endlich ans Wasser. Vier Plätze haben wir schon über Google Maps rausgesucht, standen aber jedes Mal bevor wir das Meer überhaupt riechen konnten vor einer Schranke. Die nächsten Versuche führen uns zu Parkplätzen. Auf den ersten Beiden sind Wohnmobile grundsätzlich verboten, auf den anderen Beiden wird ein Gebühr von 25 Euro für 3 Stunden erhoben. Im Ernst? Wir dachten wirklich der Wächter will uns veräppeln. Die Luft ist dick zwischen den Jungs und hastig werfen wir nochmal einen Blick auf Google Maps. Tatsächlich springt uns ein Platz ins Auge. Offensichtlich ein Parkplatz, direkt am Strand und fern von Häusern und dergleichen. Wir fahren also nochmal 25 Minuten und die haben sich gelohnt. Als wir ankommen stehen bereits vier andere Camper dort. Wir gesellen uns zu dazu und freuen uns krümelig, endlich so einen schönen Platz ohne Verbotsschilder gefunden zu haben. Nachdem wir ausgestiegen sind und einen Blick auf den Strand geworfen haben, ist unsere Laune allerdings schnell getrübt. Müll und Zigarettenstummel so weit das Auge reicht. Den anderen Campern geht das wohl ebenso gegen den Strich, denn gerade als ich zu Dino und den Jungs sagte, dass wir hier erst einmal aufräumen müssen, kamen die vor uns hier gelandeten schon mit Mülltüten auf uns zu, um uns zu begrüßen und zu fragen, ob wir helfen wollen, den Müll zu entsorgen. Klar wollen wir. Also machen wir uns alle zusammen an die Arbeit! Zusammen kamen 5 große Müllbeutel, die wir untereinander aufteilten um sie bei der nächsten Möglichkeit zu entsorgen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit relaxen, schwimmen und guten Gesprächen. Den ganzen Tag über, kam nur ein einziger Spaziergänger vorbei, welcher uns ein Weilchen beim Müllsammeln beobachtet hat und dann weiterzog. Ansonsten waren wir Freisteher unter uns.

Reisen mit Hunden

Gegen Abend kommt noch ein Pärchen mit Van, die auch schon ganz verzweifelt von der Suche nach einen Platz waren. Wir essen alle gemeinsam, trinken Rotwein und Bier und die Kinder toben mit den Hunden. Gegen 23.00 Uhr dann der Schock! Ist das etwa ein Blaulicht, das da auf uns zukommt? Ja ist es! Genau genommen sogar zwei. Etwas gebannt sitzen wir alle in unserer Runde als vier Polizisten auf uns zu kommen. Es hätte eine Beschwerde von einem Anwohner gegeben. Es konnte nur der Spaziergänger gewesen sein, denn das nächste Haus lag knapp 1km entfernt. Wir erklärten den Polizisten, dass wir dies nicht ganz nachvollziehen können, präsentieren die vollgestopften Tüten unserer Müllsammelaktion und hoffen, dass wir nicht verschwinden müssen. Die Polizisten reagierten Gott sei Dank ziemlich lässig und mit süffisantem Lächeln und Blick auf den Wein sagte schließlich der Älteste von ihnen: „ Nun ja, ich denke fahren kann hier heute eh keiner mehr von euch. Also unseretwegen bleibt bis morgen hier stehen, aber seid bitte um 10 verschwunden.“ Der Form halber werden unsere Personalien aufgenommen und weg sind sie. Wir sind alle erleichtert und dennoch auch ein wenig traurig. Wären wir doch alle gern noch eine zweite Nacht geblieben. Wir philosophieren noch eine Weile über Freiheit und darüber, wie krass es im Grunde ist, das Natur vom Staat privatisiert wird. Diese Gedanken machen müde und wir knallen uns ins Bett. Am nächsten Morgen kontrollieren wir nochmal alle gemeinsam, ob wir auch nichts liegen gelassen haben und verlassen mit gedämpfter Stimmung dieses wunderschöne und jetzt wieder sauberes Fleckchen Erde.

Reisebericht, vanlife Ostesee

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