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Ein bisschen frei

18. August 2015

 

…und dann machten wir uns auf den Weg! Das Zelt im Bus, zwei Gaskocher und eine Öllampe. Und es war so ein bisschen das Gefühl von Freiheit! Into the wild und Ronja Räubertochter. Losfahren und anhalten wo es gefällt ohne Verpflichtungen und die Zeit ging verloren.

Unser Weg führte von Volos Richtung Epirus. Mitten durch die Berge, auf Straßen die das Navi nicht kennt, weil es mehr Schotterwege sind. Die erste Nacht verbrachten wir mitten im Wald an einem kleinen Bach. Wir legten uns ins Gras und und schauten einfach nur Ewigkeiten in den Himmel-dies wurde ab dann ein neues Abendritual- und in meinem ganzen Leben habe ich nicht so viele Sternschnuppen gesehen, wie in diesen Tagen in der Natur. Irgendwie glaube ich, der Blick ist offener, wenn nichts da ist, was einen ablenkt und vergessen lässt, wie schön es ist, wenn es so ruhig ist, dass lediglich die Natur zu Wort kommt.

Epirus

Selbst die Kinder waren gebannt von dem mal etwas anderen Film.

Am frühen Morgen wurden wir von einem Ziegenhirten besucht, der auf der Suche nach einer Zigarette war. Leider konnten wir ihm nicht helfen.

Weiter ging es durch das atemberaubende Pindos Gebirge in welchem man das Gefühl hat, die griechische Mythologie sei aktuelle Realität und so war den Kindern und mir schon ein bisschen mulmig zumute, als wir am Abend unser Zelt am Acheron aufschlugen. Einer der fünf Flüsse der Unterwelt, über welchen Charon die toten Seelen in den Hades gebracht hat.

Und in der Tat und wenn es auch nur eingebildet war, hatte man Nachts das Gefühl Stimmen zu hören, die klar und weit weg zugleich klangen.

Bei dem Gedanken daran, bekomme ich nach wie vor eine Gänsehaut.

Unser nächster Platz lag an einem wunderschönen ca 1 km langen Strand, welcher zum Teil aus Sand besteht. Der vordere Teil hat eine kleine Bar und ein paar Liegestühle zu bieten. Fährt man aber weiter – wohlbemerkt über eine Straße, für die man schon einiges an Mut aufbringen sollte- und zu guter Letzt über eine riesige Wiese auf der Ziegen weiden, dann hat man den hinteren Teil des Strandes komplett für sich allein.

Sonnenaufgang Mittelmeer

Es war so schön dort, dass wir für zwei Nächte blieben.

Und als wir Abends zusammensaßen und den Himmel bestaunten ist uns klar geworden, wie wenig Frei man doch im alltäglichen Leben ist. Alles verläuft nach Regeln, die andere aufgestellt haben, eine Ordnung, die Klein hält. Man sagt immer, wir haben einen freien Willen und können selbst entscheiden…doch haben wir diesen wirklich, oder können wir diesen überhaupt nutzen? In einer Welt, die aus so vielen Regeln besteht?

Ich möchte nicht sagen, dass gewisse Regeln falsch sind, doch beginne ich mal mit so Kleinigkeiten aus dem Alltag.

Das Kind MUSS zur Schule gehen, pünktlich um 8 Uhr da sein und um 14 Uhr wieder abgeholt werden. Meine Meinung zum Schulsystem möchte ich nun garnicht groß erläutern, nur so viel, dass ich Home Schooling vorziehe, wenn es da nicht diese Regel, dieses Gesetz geben würde. Fakt ist, auf unseren Reisen lernen unsere Kinder beduetend mehr, als in der Schule.

Ebenso MUSS man arbeiten gehen, denn man hat ja so einiges zu bezahlen.

Wie auch immer! Ich frage mich, wie es sein kann, dass ein von Menschen geschaffenes System letzlich immer entscheiden kann, wie wir leben.

Nun ja, zurück zu unserer Reise! Wenn ich schrieb, dass wir für die letzte Straße viel Mut brauchten, ist das untertrieben. Um unseren nächsten Platz zu erreichen hätten wir das Auto eigentlich tragen müssen. Wir haben es nicht gemacht und so sieht das Auto nun auch aus. Dennoch sind die Macken und Beulen im Auto allein den Blick auf diese einsame Bucht wert.

Epirus

Glasklares Wasser und ein Strand für uns allein. Lediglich ein Olivenbauer verirrte sich mal dorthin um sich während der Arbeit zu erfrischen. Dort wollten wir bleiben und am liebsten für immer. Dort war man wenigsten ein bisschen frei! Wenigstens für kurze Zeit. Hätte uns nicht dieses MUSS im Nacken gesessen…die Schule beginnt bald wieder und die Arbeit wartet…wir wären geblieben, zumindest länger geblieben.

Nach zwei Nächten ging es weiter und die Suche nach wild life wurde schwerer. Es wurde touristischer und die Strände waren verbaut und meist bewacht. Stundenlang führen wir herum und so langsam wurde es dunkel. Dann sahen wir endlich vom Berg aus eine kleine versteckte Bucht. Doch der Weg endete an einer riesigen Villa zu welcher dieser kleine Strand gehörte. Nachdem wir aber für diese Bucht weitere Beulen im Auto in Kauf genommen hatten und es immer dunkler wurde, wollten wir nicht mehr weiter suchen. Also ging mein Liebster einfach auf das Grundstück und fragte die Besitzer ob wir eine Nacht bleiben könnten.

Wir hatten Glück, denn die Leute waren unfassbar freundlich. Wir wurden mit Wasser versorgt und am liebsten hätte die Frau noch für uns gekocht. Am nächsten Morgen wurde ein bisschen gequatscht und dann ging es weiter nach Igoumenitsa um von dort aus mit der Fähre nach Ancona (Italien) überzusetzen. Die Fahrt kostete uns über 300 Euro und war alles andere als gemütlich.

In Italien angekommen gestaltete sich die Suche erst einmal wieder schwierig. Abgesehen davon waren wir vergeblich auf der Suche nach einem Fluss, um uns waschen zu können. Die kleineren Flüsse waren ausgetrocknet und der größere war total schlammig, da es wohl in der Nacht zuvor einen Sturm in den Bergen gegeben hat.  In Richtung Berge fuhren wir dann auch weiter, bis ein ziemlich heftiges Unwetter aufzog und die Temperatur von 29 auf 11 grad stürzte. Das war für uns natürlich absolute kacke, schließlich waren wir nur mit Sommersachen unterwegs. Wir versuchten dann ein Zimmer zu finden aber Pustekuchen…alles ausgebucht, oder keine Hunde erlaubt. Unser letzter versuch war in einem Hotel an einer Landstraße. Leider auch voll! Wir wollten gerade weiterfahren, als zum Glück der Sohn der Hotelinhaberin auf uns losstürmte und von seinem Kumpel erzählte, der einen kleinen Zeltplatz oben auf dem Berg besitzt. Er rief ihn für uns an und wir konnten kommen.

 

Wir sind ja überhaupt keine Campingplatz Fans, aber dieser Ort hat uns echt umgehauen. Direkt am Wald gelegen und eingerahmt von den anderen Berggipfeln erlebten wir eine ganz besondere Atmosphäre.

Da es arschkalt war, wurden wir vom Besitzer mit Jacken ausgerüstet und der nette Mann vom Hotel kam extra den Berg raufgefahren um uns mit warmen Decken zu versorgen. Und es gab eine heiße Dusche. Zum Glück war es am nächsten Tag wieder warm und sonnig.

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Unser Wagen war übrigens zu diesem Zeitpunkt platt, wollte nicht mehr, hatte die Schnauze voll und musste erst einmal repariert werden. Also blieben wir drei Tage an diesem wundervollen Ort, bis wir leider endgültig die Heimreise nach Deutschland antreten mussten.

Wir haben auf dieser Reise unheimlich viele nette Menschen kennen gelernt. Wir haben gesehen, wie wenig man braucht um glücklich zu sein und wie viel freier man sich fühlt ohne den Schnick schnack dieser Konsumwelt.

Zum Schluss noch ein kleines Video…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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5 Comments

  • Reply Hella 4. September 2015 at 11:13

    So ein schöner Urlaub. Da will ich auch gleich meine Sachen packen und los düsen, den Sternhimmel außerhalb der Stadt genießen!
    Liebe Grüße
    Hella von http://www.advance-your-style.de

  • Reply fashiontipp 21. August 2015 at 21:22

    Ich war schon lange auf deinem Blog nicht-sorry, meine Liebe 😉 Aber desto mehr freue ich mich auf dein neues Layout! Super schön <3 Habe ein schönes Wochenende 🙂
    LG aus München
    http://fashiontipp.com

    • Reply beccs@ruhrstyle 24. August 2015 at 6:21

      Freut mich, dass du wieder mal da bist!

  • Reply liebe was ist 19. August 2015 at 18:41

    wow, das sind wirklich wunderschöne Eindrücke! wie strahlend blau und klar das Wasser ist 🙂
    und wie glück du im Video wirkst!

    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

    • Reply beccs@ruhrstyle 20. August 2015 at 5:40

      Danke Tina. Es stimmt, ich war dort sehr sehr glücklich.

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