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Die Schuld im Gewissen und ein voller Kleiderschrank!

24. April 2016

Who-Made-My-Clothes

Vor einiger Zeit habe ich dieses Foto gesehen: Ein kleines Mädchen, vielleicht 12, vielleicht 9, ich kann es schlecht einschätzen, sitzt auf einem wackelig aussehenden Stuhl und schaut ins Leere. Ihr Gesicht ist mit Staub belegt und ihre Knie aufgeraut. Ihr viel zu dünner Körper und ihre viel zu traurigen Augen erzählen eine Geschichte voller Leid, die bislang, zu wenige hören wollten.

Wie gern würde sie sich in die Arme ihrer Eltern schmiegen und sich von ihrer Mutter liebevoll über das dunkle Haar streicheln lassen. Doch das Mädchen ist schon lange allein! Ihre Eltern wurden  am 24.04.2013 mit vielen weiteren Müttern, Vätern und Geschwistern unter Trümmern begraben und die Staubwolke, die empor zog, formte sich zu einer großen Frage: Warum?

Im Grunde ist die Antwort leicht zu geben und jeder noch so Dumme kennt sie…Nur bedeutet die Beantwortung der Frage auch, die Last der Schuld im Gewissen zu tragen und wer will das schon!?! So ist es wohl besser, sich nicht allzu weitgehende Gedanken zu machen und die Kunst der Verdrängung anzuwenden, denn wer die Schuld einsieht, muss sich ändern, oder aber mit der Last im Gewissen Leben.

In diesem Sinne erstaunt mich dann immer wieder die vermehrt hörbare Aussage, dass unsere Welt sich dringend ändern muss. Ich stimme da ja uneingeschränkt zu, aber was nützt es dies zu sagen, wenn es ist, wie es schon Tolstoi erkannte: „Alle wollen die Welt verändern, aber keiner sich selbst.“

Wie soll die Welt gerechter werden, wenn der Gerechtigkeitssinn, gerade mal bis in den Vorgarten reicht? Wie soll ein Weg geebnet werden, wenn man nicht bereit ist, einen Schritt zu gehen? Wie soll das Leid von Menschen am anderen Ende der Welt beseitigt werden, wenn es schon an Mitleid für den Nachbarn fehlt?

Wenn jemand sagt, die Welt muss sich ändern, sollte die Hand als erstes zur eigenen Nase gehen!

Wir Menschen haben so viel Kraft und gerade hier, wo es uns so gut geht, sollten wir diese Kraft nutzen um die Schwachen zu stützen.

Was ist euer voller Kleiderschrank wert, für den so viele Menschen ihr Leben ließen? Für den so viele Menschen tagtäglich leiden? Für den so viele Menschen tödlich erkranken? Für den so viele Menschen sich tagtäglich den Arsch aufreißen und selbst kein Leben haben.

Ist ein voller Kleiderschrank, der beste Streetstyle-Look oder ein Instagram Account mit täglich wechselnden Outfits, wirklich mehr wert als ein Leben? Würdest du dein Leben riskieren oder so gar hergeben, damit andere im Überfluss leben können?

Kinderarbeit Indien

Quelle: terre des hommes

 

Dharavi Slums

Quelle: Hessnatur

Ich könnte nun ganz detailliert auf die Missstände die sowohl in der Bekleidungsindustrie, als auch in etlichen anderen Bereichen herrschen eingehen, doch das habe ich bereits hier getan und im Grunde, ist es jedem bewusst. Ich könnte noch viele weitere Fragen formulieren, die ich mir stelle…Ich könnte verurteilen, aber ich will nur zum Nachdenken anregen und so danke ich euch für´s Lesen!

 

 

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5 Comments

  • Reply Jasmin 9. Mai 2016 at 20:49

    „Alle wollen die Welt verändern, aber keiner sich selbst.“
    Trifft es leider immer noch sowas von! Ich find’s aber super dass so viele tolle BloggerInnen sich schon auf den Weg machen um das zu ändern und andere zu inspirieren…

    Alles Liebe,
    Jasmin

    • Reply beccs@ruhrstyle 12. Mai 2016 at 7:55

      Absolut, ich bin auch immer wieder aufs neue begeistert, zu sehen, dass doch ein Umdenken stattfindet und die Bereitschaft dazu besteht. Bei mir hat es ja zugegebenermaßen auch eine Weile gedauert.

      Liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply tara 24. April 2016 at 14:28

    kleiner nachtrag:
    der fairness halber: die modeflüsterin hat meinen kommentar doch noch hochgeladen + fantasievoll reagiert 🙂

  • Reply tara 24. April 2016 at 13:01

    hallo rebecca, beccs ;-),
    das thema hatten wir ja schon mal ein paar posts vorher.
    ich glaube, es ist immer grenzwertig, andere zu belehren, zu überzeugen – und müßig, anstrengend auch. der erste schritt ist immer die eigene erkenntnis.
    das kann bei einigen dauern.
    bleib bei dir selbst + freue dich über ein paar gleichgesinnte. es werden mehr – for sure.
    in diesem sinne 🙂
    tara
    ps: hatte gerade einer sehr bekannten modeflüsterin gepostet, dass ich ihre hochgelobten bomberjacken, und military-tarnmuster-parkas nicht gerade „modisch cool“ finde – eher grenzwertig
    – dann wurde meine kommentar sofort gelöscht. hahhahhaha – diese reaktionen halten mich nicht ab.
    tara

    • Reply beccs@ruhrstyle 24. April 2016 at 15:43

      Hello liebe Tara,

      du hast mal wieder recht, es ist absolut grenzwertig und auch in vielen Fällen nicht angebracht andere zu belehren. Allerdings denke ich auch, das es Gebiete/themen gibt, wo man einfach aufgrund der Auswirkungen nicht mehr nach dem Motto „Leben und leben lassen“ agieren kann. Durchaus, fängt die Erkenntnis im Inneren eines Selbst an, aber manchmal wird man auch von anderen zur Erkenntnis gebracht. Ich finde es unheimlich wichtig, die Menschen darüber zu informieren, wie die Realität in der Fashion Branche aussieht, weil es da schließlich um Menschenleben geht, die nicht weniger wert sind, als deins oder meins. Wenn sich Leute dadurch angegriffen fühlen, dann nur, weil sie wissen, dass ihr Lebensstil zum Leid dieser Menschen beiträgt…Wenn es die Menschen nicht interessiert, naja, dazu fällt mir nichts ein…
      Man muss sich so langsam einfach mal die Frage stellen, wo wir hingekommen sind, weil so oft so wenig informiert wurde, weil die Augen verschlossen wurden und weil der Mut fehlt, die Wahrheit auszusprechen!?!
      Ich habe mir fest vorgenommen, immer wieder über Themen zu schreiben, die einfach behandelt werden müssen, auch wenn es anstrengend ist.

      Nunja, dass Kommentare nicht veröffentlich werden kenne ich ja auch. Das sie ihn doch noch veröffentlicht hat: Hut ab. 🙂 Wie die Antwort ausgefallen ist, kann ich mir vorstellen. 😉

      liebste Grüße
      Rebecca

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