Aus dem Alltag Mum & Dad

Die Rollenverteilung ist immer noch Thema

18. März 2018

Photo via stocksnap, photographer: rawpixel

Als wir vor Kurzem im Museum waren ist mir mal wieder ganz deutlich bewusst geworden, dass es immer noch enorm viele Menschen gibt, die bei Mann und Frau eine klassische Rollenverteilung im Kopf haben.

Unser Kleinster hatte ordentlich in die Buxe gedonnert und wir machten uns auf die Suche nach einem Wickeltisch. Mein Menne, dieser Super-Held, fragte eine Mitarbeiterin des Museums, ob es zufällig auch auf der Herrentoilette eine Wickelmöglichkeit gäbe und nicht nur- wie so oft- bei den Damen. Tadaaa, die gab es tatsächlich. (Was ja auch schon einmal sehr sehr lobenswert ist) Dann ging es allerdings von allen Seiten um uns herum los! Ich dachte schon die Frauen würden meinen Mann gleich auf den Arm nehmen und ihn mit tosendem Jubelgeschrei dreimal in die Luft schmeißen. Zig Bekundungen wie toll es ist, dass mein Mann das kleine Ärschchen sauber macht, ließen ihn erröten und mich vor Wut Kochen. Hallo??? Ich mache auch den Hintern sauber, sogar mehrmals täglich!!! Wieso verdammt nochmal bekomme ich kein fuckin Lob dafür??? Und wieso scheint echt immer noch in so vielen Köpfen eine so bedauerliche Rollenverteilung zu herrschen?


Das ist ja auch nicht das einzige Beispiel. Männer kassieren ständig Lob, für Dinge, die für uns Frauen ganz normal und furchtbar alltäglich sind. Sitzen wir im Restaurant und mein Mann füttert den Pupsi, schmelzen die Frauen um uns herum dahin und mindestens eine-vielleicht die Kellnerin- wird schnell los, wie toll er das doch macht. Hä? Ja, aber auch er steckt doch einfach nur einen Löffel in den Babymund. Wieso ist das bei meinem Mann bloß so großartig?

Es folgen nun noch ein paar weitere Beispiele:

Wenn ein Mann in Elternzeit geht, wird er entweder (meist von anderen Männern) als sonderbar bezeichnet oder aber – meist von Frauen- in den Himmel gehoben. Beides ist mir bis jetzt noch nie passiert!

Wenn mein Mann mir nach der Arbeit im Haushalt hilft, ist er laut seiner Mutter ganz arm dran, laut Nachbarin so furchtbar fleißig und laut manchen Freunden ziemlich bescheuert. Das ich das auch jeden Tag so mache, ist gar nicht erst der Rede wert.

Wenn mein Mann daheim bleibt, weil die Kinder krank sind, geraten gleich alle in Sorge, weil er sich ja schließlich anstecken könnte. Bei mir ist das dann wohl egal.

Wenn mein Mann dann auch noch zum Arzt fährt, ist die Frage „wieso er das denn macht“ von Vielen schnell gestellt; und ein „Ich finde das sooooo toll, dass auch sie ihre Kinder in meine Praxis begleiten“ gibt es als Bonbon von der Ärztin oben drauf.
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So lustig das im Grunde klingt, so traurig ist es auch. Denn offenbar drängen wir Frauen uns auch oftmals selbst in eine gewisse Rolle. Den Mann selbstverständlich im Umkehrschluss auch.
Diese Rollenverteilung a´la Hausfrau und Geldnachhausebringer hätte es nie geben dürfen und sollte wohl wenigstens mittlerweile völlig überholt sein.

Sich liebevoll um die Kinder zu kümmern, einen Haushalt zu wuppen oder Essen zu kochen ist weder Frauen noch Männersache. Es ist einfach Sache! Völlig frei von einer geschlechtlichen Zuweisung. Wer will kann oder aber auch nicht!

Wir persönlich, also mein Menne und ich, teilen uns alle, ja wirklich alle, Aufgaben, die nun einmal so anfallen innerhalb unserer Familie. Und nachdem ich ein paar Löcher in die Wand gebohrt habe, hat mein Mann mir auch schon einmal die Nägel neu lackiert.
Er ist toll, ich bin toll, wir sind toll!

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4 Comments

  • Reply Steffi 21. März 2018 at 9:14

    Hey, super geschrieben und sooo wahr. Pflichte dir bei, habe ich selbst auch so ähnlich erlebt 😉
    Was ich auch immer denke: ich folge bei Instagram Pink und ihrem Ehemann, er postet des Öfteren Bilder wo er ein Bierchen trinkt und den Kleinen auf dem Schoß hat, so weit so unspektakulär. Nun stellt euch mal vor die Mama (egal welche Frau) würde öfters Pics posten dass sie Bier trinkend das Kind auf dem Arm hat. Die Reaktionen möchte ich mir nicht ausmalen..

    LG Steffi / redseconals.com

    • Reply AVEC QUATRE 2. April 2018 at 7:45

      Oh ne, die Reaktion wäre glaube ich ziemlich heftig, aber ein gutes Beispiel für das, was ich geschrieben haben. Liebe Grüße Rebecca

  • Reply *thea 18. März 2018 at 22:16

    gut gebrüllt, Löwin! leider ist die klassische Rollenverteilung immer noch Normalität… Aber solange es immer so noch wenige Frauen hinterfragen, wird es halt immer weiter an die nächsten Generationen weitergegeben… Schön, dass ihr das so ausgeglichen vorlebt!

    • Reply AVEC QUATRE 2. April 2018 at 7:43

      Ich glaube das ist wirklich ein großes Problem. Viele leben halt ganz nach dem Motto: „das ist halt so, weil immer so gewesen.“

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