Gedanken Mum & Dad

Die Lust auf´s Hinfallen und Knie aufschlagen!

21. März 2017

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Ich erinnere mich sehr gut an die Zeit, als wir noch unbeschwerte kleine Kinder waren. Wir sind hingefallen und standen wieder auf, wir liefen irgendwo gegen und einfach weiter; und letztlich waren wir so gar stolz auf unsere kaputten Knie, oder den dunkelblauen Fleck am Schienbein. Das Hinfallen wurde nicht großartig diskutiert! Es gehörte nämlich einfach zu unserer Kindheit dazu. Ich zumindest bin ständig hingefallen, was natürlich auch ein bisschen meinen zwei linken Füßen zu zulasten wäre, aber dennoch war es nie der großen Rede wert. Einfach aufstehen und weitermachen hieß die kindliche Devise!

In der Pubertät sah das dann schon mal ein bisschen anders aus! Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation, als ich aus der Straßenbahn ausstieg, mich nochmal relativ galant zu den Schulkollegen umdrehte und volle Kanone vor die Laterne rannte. Das war aber noch nicht genug! Ich versuchte natürlich den Schmerz zu überspielen und ganz locker flockig weiterzulaufen, drehte mich dummerweise nochmal um, um Reaktionen zu sichten und stolperte daraufhin so blöde, dass ich einen Bauchklatscher auf den Bürgersteig machte. Über Schürfwunden freute ich mich zu der Zeit in keinster Weise mehr, im Gegenteil, dieses Hinfallen und dann noch in meinem Vorhaben auf cool zu machen gescheitert zu sein, war mir mega und wirklich mega peinlich. Hallo? Ich hatte vor versammelter Mannschaft den Bürgersteig geküsst und wäre am liebsten mit dem Asphalt verschmolzen.

Was war nur geschehen? Warum waren Pflaster auf einmal nicht mehr cool und wieso war Hinfallen nun so furchtbar peinlich? Hinfallen, aufstehen und Krone richten war irgendwie nicht mehr! Genau, ich schreibe bewusst „nicht mehr“ denn als Kinder sahen wir das Fallen und Scheitern automatisch und-wahrscheinlich unbewusst-als ganz normalen Lernprozess an. Wir lernten laufen durchs Hinfallen und wenn wir vom Baum fielen, haben wir gelernt, das nächste mal die zu dünnen Äste zu meiden. Wahrscheinlich haben wir auch darüber nachgedacht, warum es passierte und uns dann eine andere Möglichkeit ausgedacht an unser Ziel zu gelangen. Im Grunde könnte man sagen, wir haben uns als Kinder nach dem „auf die Schnauze fallen“ selbst reflektiert und genau diese Reflexion scheint uns heute nicht mehr so gut zu gelingen.

Als Erwachsene scheitern bzw. fallen wir ständig. Vielleicht im Job, vielleicht bei der Kindererziehung, vielleicht im Umgang mit unseren Freunden. Aber egal bei was, wenn wir gescheitert sind, ist das für uns eine peinliche und unangenehme Sache, die wir schnell vergessen möchten. Dabei wäre es so wichtig den Schmerz zuzulassen und darüber nachzudenken, warum wir gefallen sind und was wir vielleicht anders machen müssten um nicht erneut auf dem Popo, oder wie ich, auf dem Bauch zu landen. Tatsächlich könnten wir durch Reflexion aus unserem Scheitern so einiges für zukünftige Situationen lernen.

Aber was machen wir viel lieber? Wir denken uns Geschichten aus, warum die Misere eben passiert ist. Eine Geschichte, die rechtfertigt und uns beruhigt, weil sie meist so ausgelegt ist, dass uns auf gar keinen Fall die Schuld an diesem ganzen Mist trifft. Hauptsache es gibt ein Happy End, auch wenn es erstunken und erlogen ist. In etwa so: Ich wurde gefeuert, weil mein Chef ein Arschloch ist (Mittelteil bzw. Reflexion bleibt weg), aber ich bin froh, denn jetzt mache ich das und das.

Und wie ging es uns in Wahrheit, als wir die Kündigung bekamen? Waren wir verletzt, zornig, deprimiert? Was war der Grund für die Entlassung? Haben wir das ganze überhaupt verarbeitet oder nur gekonnt beiseite geschoben?

Und kann man sich nicht erst dann voll und ganz auf etwas Neues einlassen, wenn das Alte komplett verarbeitet wurde?

Vielleicht wird unser Problem mit dem Scheitern auch davon beeinflusst, dass ab einem bestimmten Alter einfach etliche Erwartungen an uns haften. Experimentieren ist dann nicht mehr gewünscht! Wir müssen gefälligst wissen was wir wollen!

Ich glaube, dass genau diese weit verbreitete Ansicht dazu führt, dass wir Hinfallen, Scheitern und angebliche Fehler, ab einem gewissen Alter nicht mehr als Lernprozess wahrnehmen können. Uns fehlt die Akzeptanz einen Sturz locker hinzunehmen und somit kommt man zwangsläufig zu einem weiteren Problem: man geht keine oder nur sehr ungern ein Risiko ein. Es wird immer so schön gesagt, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, aber häufig gilt wohl eher folgende Einstellung: Ich wage nicht, denn ich will nicht verlieren.

Ich glaube mittlerweile, dass wir diesbezüglich wieder zu Kindern werden müssen! Das Lernen muss nie aufhören und wenn wir wollen, können wir mit jedem Lebensjahr ein bisschen klüger werden, aber dazu müssen wir auch aufgeschlagene Knie akzeptieren und vor diesen keine Angst haben.

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