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Die Gefühle unserer Kinder-erkennen und benennen!

15. August 2017

Wenn wir mal genauer darüber nachdenken, ist es schon ganz schön krass, was wir alles so von unseren Kindern erwarten. Sie sollen intelligent, fröhlich, unbekümmert, glücklich, höflich, offen, kontaktfreudig und unheimlich sozial sein. Im Sandkasten darf der oder die Kleine aber natürlich auch gerne mal die Ellenbogen ausfahren- denn schließlich sind unsere Kids ja keine Weicheier, nicht war. Und hach, wie toll wäre es, wenn der oder die Kleine noch ein besonderes Talent an den Tag legen würde? So wie Mozart zum Beispiel wäre doch nett!

Ganz besonders wichtig ist für viele Eltern auch ein ordentliches Durchsetzungsvermögen, schließlich sollen die Kinder früh lernen auch mal NEIN zu sagen-nur halt bitte nicht zu uns, denn das würde den Hausfrieden doch enorm stören und auch bitte nicht zu den Lehrern, wegen der Noten versteht sich.

Nun schieben wir mal den Spaß beiseite! Denn ganz ehrlich, ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder diese Eigenschaften im Grunde alle besitzen, nur leider.so mein Gefühl-machen wir diese durch unser ständiges Eingreifen oder die falsche Wortwahl regelrecht kaputt. Vielleicht kennt ihr auch die Szene, wie Mami oder Papi am Fußballfeld, Sandkasten oder what ever stehen und lautstark über den Platz bölken: „Mensch lass dir doch nicht alles gefallen, … jetzt setz dich doch mal ordentlich durch!“ Mit stolzer Brust schauen wir uns um, ob auch die anderen Eltern unseren Auftritt mitbekommen haben und die Fronten a ´la meinem Kind nimmt niemand etwas weg, geklärt sind. Wir freuen uns über unseren Sieg und natürlich auch darüber, dass unsere Kleinen ihre Förmchen oder den Ball wieder haben, aber erreicht haben wir um ehrlich zu sein, leider Nichts. Im Gegenteil, wir haben unserem Kind nicht zugetraut, diese Situation selbständig klären zu können und somit unterbunden, dass er oder sie sich in Sachen „Durchsetzungsvermögen“ üben konnte. Traurig wenn man da mal drüber nachdenkt, nicht wahr?

Und wo wir gerade bei traurig sind! Ist euch aufgefallen, dass die oben genannten Eigenschaften bzw. Gefühle alle positiver ( ich sage eigentlich lieber erfüllter) Natur sind?

Doch was ist eigentlich, in Momenten, in denen unsere Kinder, keine Lust haben die Frohnatur zu sein? Was ist, in den Momenten, wo die Kleinen sogar richtig traurig sind, weil zum Beispiel die Kindergartenfreundin heute so blöd war, oder die ersten Radfahrversuche kläglich scheitern? Wie handeln wir, wenn sie schüchtern oder gar ängstlich sind?

In der Regel wollen wir natürlich tröstend zur Seite stehen und ihnen vermitteln, dass alles wieder gut wird. Nur allzu oft versuchen wir dann mit Sätzen wie: „deswegen brauchst du doch nicht weinen“ oder „hab keine Angst“ zu besänftigen. Aber vermitteln wir mit diesen Äußerungen-die ja im Grunde auch irgendwie Forderungen sind-nicht eher die Botschaft, dass wir das Schlamassel in dem sich unser Kind gerade befindet nicht ernst nehmen bzw. das wir uns wünschen, das Kind würde anders damit umgehen, weil ja alles halb so wild ist und diese Reaktion übertrieben scheint? Aus Erwachsenensicht ist natürlich klar, dass der Streit mit dem Kindergartenkumpel eine Lappalie ist, die höchstwahrscheinlich wirklich am nächsten Tag vergessen ist, aber unsere Kinder denken nicht an Morgen. Sie besitzen nämlich eine weitere wunderbare Eigenschaft: sie leben im hier und jetzt! Und jetzt gerade ist dieser eine Streit halt das allerschlimmste, oder die Angst vor dies oder jenem ist kaum auszuhalten . Es ist somit sinnig, dass wir zumindest versuchen mit Worten ausdrücken, was das Kind gerade fühlt. So können wir den Minimenschen helfen, ihre Gefühle zu benennen, darüber zu sprechen und diese nicht zu unterdrücken.

Ganz besonders wichtig ist dieses Verständnis und benennen der Gefühle bei Wut! Und ja bei diesem starken Gefühl ist es manchmal auch verdammt schwer und anstrengend. Es ist uns unangenehm, wenn Kinder in der Öffentlichkeit zornig werden, herumschreien oder laut kreischend auf den Boden stampfen. Vielleicht wissen wir nicht, wie wir auf dieses starke Gefühl reagieren sollen und Hilflosigkeit macht sich in uns breit. Dies überspielen wir dann gekonnt mit Beschwichtigung und/oder Ärger. Vielleicht weil wir selber gelernt haben dieses Gefühl zu unterdrücken.

Dabei ist es im Prinzip sehr gut, dass Kinder so unmittelbar reagieren, denn Reaktion schafft Verbindung! Ein befreundeter Pädagoge sagte mal zu mir: „Kinder müssen auf belastende Situationen mit Gefühlsausbrüchen reagieren. Tun sie dies nicht, haben sie bereits gelernt, ihre Gefühle zu unterdrücken, da diese sowieso zu wenig aufrichtige Beachtung finden. Die Kinder merken zwar trotzdem, dass in ihnen irgendetwas vorgeht, aber sie verstehen es nicht und können es somit auch nicht einordnen.“

Also sollten wir uns lieber ein bisschen in Empathie üben und lernen mit all den Gefühlen unserer Kinder und auch unseren eigenen umzugehen. Das ist die Voraussetzung dafür, sich nicht unwohl zu fühlen. Denn das weiß wahrscheinlich jeder, Gefühle die nicht benannt und eingeordnet werden können lösen diffuses Unbehagen aus.

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