Blog Gedanken Mum & Dad

Das Anderssein und die Einzigartigkeit

7. Oktober 2018

Frei sein, Freidenker, Querdenker, Frei leben

Dieses laute Grüppchen um mich herum strapaziert meine Nerven. Es ist so furchtbar ohrenzerreißend, obwohl mir gerade nach leise ist. Worte werden durch den viel zu großen Raum geworfen, wie Basketbälle durch eine stinkende Turnhalle und anstatt sie aufzufangen, möchte ich mich ducken. Vielleicht auch fortlaufen, ganz sicher sogar! Doch hat der letzte Rest meines anerzogenen Anstands mich gefesselt und der Seemannsknoten sitzt zu fest für eine schnelle Befreiung. Wenn es mir dann endlich nach einer gefühlten Ewigkeit gelingt, fühle ich mich erschlagen. Erschlagen von Konversationen die ich nicht führen will, mit Menschen auf deren Welle ich nicht mitreiten kann. Ich möchte nun gar nicht vom Anderssein schreiben, denn ist nicht im Grunde jeder anders als der Andere und wäre es nicht anmaßend, dieses „anders“ lediglich für sich selbst zu beanspruchen? Doch ist es so, dass ich es aus anderen Mündern schon oft habe auf mich einprasseln lassen müssen: „du bist ja auch irgendwie anders.“ 6 Worte, die so viel und doch ebenso nichtssagend sind. Wäre ich in meiner Jugend nicht zur Schule gegangen, würde man wahrscheinlich sagen, ich sei nicht sozialisiert oder gesellschaftsfähig, aber das kann ja nicht sein, wurde mir ja genau dies in der Lehranstalt beigebracht. Obwohl, wenn ich etwas genauer darüber nachsinne, die meisten Ex-Mitschüler konnte ich damals nicht leiden und wäre ich nicht durch meine Anwesenheitspflicht dazu gezwungen worden, hätte ich wohl mit 99,9 Prozent eher keinen Kontakt gehabt. Andersrum war es übrigens genauso.

Was ich gelernt habe ist, dass vom angeblichen „Anderssein“ immer dann gesprochen wird, wenn sich ein Mensch – in meinem Falle ich – sich nicht an die für die Mehrheitsgesellschaft geltenden Regeln, Normen und Werte halten möchte und ich begann mich zu fragen, ob so mancher Mensch sich noch individuell betrachtet oder nur der Mensch innerhalb der Gesellschaft zählt. Was ich meine ist, zählt innerhalb dieser Gesellschaft, was ich als einzelne Person möchte? Wie ich leben möchte? Wer ich sein möchte? Ist uns nicht ein Rahmen vorgegeben, in welchem wir alle unseren Kopf hin und her bewegen dürfen, aber bloß nicht über den Rand hinaus. Wer es doch wagt ist raus! Ausgegrenzt aus der Gruppe, die so wunderbar funktioniert.

So ist es doch nicht wahr oder will das jemand leugnen? Aber egal was ihr sagt, ich kann euch eine Sache verraten: Mittlerweile bin ich gerne raus und ich schreibe hiermit ein Plädoyer für das angebliche anders sein. Ein Hoch auf die Fähigkeit und den Mut seine Einzigartigkeit zu erkennen und zu leben. Ihr mögt mich für anmaßend halten, und das dürft ihr, doch versteht mich bitte nicht gänzlich falsch. Denn natürlich ist mir bewusst, dass wir alle einzigartig sind, aber mag ich gleichwohl behaupten, dass nur die wenigstens auch so leben. Nun magst du vielleicht gerade die Augen verdrehen, aber desto mehr ich darüber nachdenke und desto mehr ich beobachte, nehme ich wahr, wie angepasst die Menschen sind. Angepasst in ihrem Gedankengut an ein System, dass Vielen und wahrscheinlich den meisten von uns nicht gut tut. Manchmal glaube ich, ich wüsste warum dem so ist, aber letztlich ist es nur eine Ahnung und alles darüber hinaus zu behaupten, wäre nun doch eine Frechheit, die eventuell eure Hutschnur reißen lassen würde.

Wie auch immer, mir tat dieses angepasst sein nicht gut und ich begann Fragen zu stellen, die auch gewisse Fakten infrage stellen. Was ist zum Beispiel die Norm? Gibt es überhaupt eine Norm und wer hat das Recht diese festzulegen? Wer kann entscheiden, was die Norm ist? Und wer hält diese grundsätzlich ein?

Entsteht sie eventuell aus tradierten Verhaltensweisen und löst letztlich Dies den übermäßigen Wunsch-vielleicht auch Zwang- aus, angepasst zu sein?

Ich habe keine Ahnung, konnte aber feststellen, dass sehr viele Menschen den Drang verspüren dazuzugehören und ich kann mir gut vorstellen, dass dieses sehnen nach Zugehörigkeit und Anerkennung, eine gute Möglichkeit bietet einer Masse gewisse Regeln, Normen und Verhaltensweisen vorzugeben, welche dann immer weiter gegeben werden und mit dem Satz: „weil es immer so war „ erklärt werden. So ist vielleicht eine Ordnung entstanden, in der Menschen sich vermeintlich sicher fühlen und vielleicht hinterfragen sie genau deshalb so wenig.

Ein „anders Denkender“ ist somit nicht leicht zu händeln in so einer „sicheren und funktionierenden Masse“. Ich habe das bei mir selbst gemerkt. Man wird schnell als Störenfried abgestempelt. Als schwer integrierbar, als anstrengend und somit ungewollt und doch bin ich mir ziemlich sicher, das sich im Endeffekt ein jeder Mensch danach sehnt, seine Einzigartigkeit zu leben, auch wenn er die „anders Denkenden“ ablehnt. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum all die Andersdenker, Hingucker, Whistleblower, Aufsteher, Mundaufmacher und Co. von der „Masse“ bewundert werden.

Ich glaube fest daran, dass sich die Ablehnung gegenüber den „Anderssein“ ändern kann und zwar genau dann, wenn begriffen wird, das es kein Anderssein gibt, sondern nur die Einzigartigkeit eines Jeden. Diese befindet sich außerhalb der von Menschen erschaffenen Norm, die teilweise kollektiv hypnotisierend wirkt und das selbständige Denken und vor Allem hinterfragen einschränkt in dem sie vorgaukelt, es ginge nur so und nicht anders. Die Norm, die wenig Veränderung und Entwicklung zulässt und die von Wiederholung geprägt ist, schränkt ein und hält dich im Rahmen.

Das sind natürlich nur meine Empfindungen und vielleicht sind eure ganz anders. Und nun habe ich ja tatsächlich doch vom „anders sein“ geschrieben, was ich jedoch lieber als Einzigartigkeit bezeichne, aber vielleicht liegt das auch einfach daran, das für mich das „Andere“ die eigentliche Regel ist und die Norm die Ausnahme. Ja, das könnte sein!

 

 

 

 

 

 

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