Gedanken Kurztrips Mum & Dad Travel

Berlin? Äh ja, äh nein, ich mein Jein!

8. Februar 2018

Berliner Dom, Berlin

Die letzten Tage wurde ich mehrmals gefragt, wie ich es denn in Berlin fand. Und ja ehrlich, Berlin ist toll und toll und echt toll. Ich fand es toll! Im Grunde ist damit alles gesagt und leider ebenso Nichts, denn ganz so einfach ist es mit mir und dieser Stadt dann doch nicht. Ich merke das Sie in mir ein nicht genau definierbares Gefühl hinterlässt, dass sie nach mir greift und ihre Klauen sind eisig, aber ihr Lächeln so warm. Mir ist mulmig und ich bin zwiegespalten. Find ich Berlin wirklich toll? Äh ja äh nein, ich mein Jein-danke Fettes Brot für diesen Reim!

Ich schreibe es jetzt einfach mal runter. Berlin ist so kontrastreich wie nur irgendwie möglich. Hier liegen arm und reich beinahe aneinander gekuschelt unter ein und derselben Decke und Jugendstil geht in Löffelchenstellung mit dem Plattenbau. Herr Gott nochmal, wie soll man denn da entscheiden ob man das B nun schön schön oder scheiße hässlich findet? Hier gehören Gegensätze offensichtlich genauso zusammen wie Dick und Doof, Ernie und Bert oder Hanni und Nanni. Alles verläuft ineinander. Ein bisschen so wie wenn meine Jungs mit Aquarellfarbe malen.

Gerade staunst du und deine Lippen haben noch das Oh geformt, da kannst du auch schon ein nein hinten anfügen um dann erneut ein Oh zu formen. Ist doch crazy und so geht’s auch weiter mit den Leuten.

Hipster die keine Hipster sein wollen, weil niemand wirklich weiß, was Hipster heutzutage eigentlich genau sind, tragen ihren Laptop unterm Arm und laufen auf´m Prenzlberg Slalom. Immer schön herum um all die Mami´s die ihren Kinderwagen einhändig schieben und nebenbei Mate Tea oder Chai Latte trinken. Gestylt sind sie vom feinsten und manche haben ihr Aupair immer dabei, die auch bei -4 Grad die Knöchel frei trägt und ihre kleinen Füße in weißen Sneakern versteckt. Ich bin mir sicher sie müssen frieren, aber sie sehen nicht so aus. Ich ziehe automatisch den Reißverschluss meiner Jacke, die an einen Schlafsack erinnert, höher und schlagartig erinnere ich mich an meine schmerzende Nierenbeckenentzündung. Ehrlich gesagt fühle ich mich in diesem Moment ein bisschen lächerlich, ein bisschen alt und ein bisschen wie der Plattenbau neben der Jugendstilvilla. Ich habe das Bedürfnis einzukehren. Einfach rein in irgendeines dieser Szenecafe´s! Wir finden einen Platz in der hintersten Ecke und ich finde es gut. Das Café ist bunt aber schick und junge Leute voller Träume und Ideen tummeln sich an viel zu kleinen Tischen und lachen über Gott und die Welt. Ich sehe sie an und denke an den amerikanischen Traum. Hier heißt es Berliner Traum und hat oft „irgendwas mit Medien“, manchmal aber auch mit Mode und Design zu tun. Am Tisch unmittelbar vor uns sitzen zwei Typen Anfang dreißig, die sich über Autos unterhalten. Die Lautstärke so gewählt, dass jeder benachbarte Tisch sie hören kann, aber auch wieder nicht so laut, dass es zu aufdringlich wird. Eigentlich langweilig! Dann aber kommen zwei weitere Männer im selben Alter herein und nehmen an einem kleinen Tisch Platz. Ihre Klamotten riechen nach Geld und sie sprechen perfektes Englisch-sie sind Engländer. Eindeutig! Die Auto-Typen werfen sich einen kurzen Blick zu und von einem Moment auf den anderen sprechen auch diese beiden nur noch Englisch. Gekonnt, als wäre es ihre Muttersprache, aber der Akzent verrät sie dann doch. Ich muss schmunzeln und in diesem Moment kommt mir das weltoffene, riesige Berlin ganz schön provinziell vor.

Von da an fühle ich mich wohl im dicken dicken B!

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Top