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10 Gründe warum ich gegen die Schulpflicht bin

15. Juli 2017

Nun ist es bald soweit: am 6.8 werden die Zwillinge eingeschult und mit Schmerzen im Bauch gehe ich diesem Tag entgegen.

Es ist nämlich so, dass wir mit Schulen nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht haben! Mein Großer kommt ja nun bereits in die sechste Klasse und so haben wir natürlich schon einige Jahre Schulalltag hinter uns. Fakt ist, für meinen Ältesten ist die Schulpflicht eine Qual.

Bei den folgenden Worten – das ist mir bereits bekannt – mögen einige Eltern die Nase rümpfen, aber es ist wie es ist: Unser Großer ist hochbegabt und nein, dass habe nicht ich als über-engagierte Mutti selbst diagnostiziert, sondern ein durchaus etablierter Kinder-Psychologe. Ihr könnt mir auch glauben, wenn ich schreibe, dass dies viele Leiden mit sich bringt und zwar vor allem für das Kind selbst. Genauer werde ich darauf gerne mal in einem separaten Artikel eingehen.

Es ist mir natürlich klar, dass ein Kind mit Hochbegabung irgendwie ein Sonderfall ist, aber nicht nur die dadurch geprägten negativ Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich für die längst überfällige Abschaffung der Schulpflicht bin.

Doch was stört mich jetzt genau an der Schulpflicht?

  1. Ich finde, dass ich durch die Schulpflicht verlerne meinen Kindern zu vertrauen. Mit 6 Jahren haben sie gefälligst schreiben, rechnen und lesen zu lernen, ob sie das nun wollen oder nicht ist irrelevant. Sie MÜSSEN! Doch haben wir überhaupt das Recht zu entscheiden, wann ein Kind – also ein eigenständiger denkender Mensch, wie du und ich es sind – dazu bereit ist etwas zu lernen? Sollte nicht jeder Mensch, also auch Kinder, selbst entscheiden können? Im Grunde ja, aber bei Kindern wird interessanterweise eine Ausnahme gemacht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Angst besteht, die Kinder würden es gar nicht lernen. Sir Ken Robinson sagte dazu: „Kinder lernen von Natur aus – und doch ermüden viele in diesem Prozess, wenn sie die Schule durchlaufen. Ein Grund dafür ist, dass die Rituale der Erziehung nicht mit den Rhythmen ihrer Neugierde in Resonanz stehen. André Stern ist die Verkörperung des natürlichen Lernens und der natürlichen Verwirklichung. Er zeigt, wie alle Kinder gedeihen können, wenn wir ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, wie sie lernen und warum, und wenn wir ihnen die besten Bedingungen für ihr Wachstum und ihre Entwicklung zur Verfügung stellen.“
  2. Generell empfinde ich es als grausam ein Kind zu einer Sache zu zwingen, die es partout nicht möchte! Ich empfinde dies so gar durchaus als Körperverletzung. Wie oft weint mein Großer weil er wegen dem Verhalten, was so eine Hochbegabung mit sich bringt, geärgert, ja so gar gemieden wird. Ständig bittet er darum nicht in die Schule zu müssen und wie sehr verletzte ich ihn wohl, wenn ich auf dieses Flehen nicht eingehen kann!?! Ist es nicht grausam, auf dieses Leiden nicht richtig reagieren zu können, weil ein Gesetz dies verbietet?
  1. Ich möchte nicht, dass meinem Kind Kontakte aufgezwungen werden. Immer wieder wird davon gesprochen die Schule sei wichtig, wegen der sozialen Kontakte die ein Kind dort pflegen muss. Aber genau das ist es ja auch schon wieder: das Kind muss! Mein Großer muss also mit Kindern Kontakt halten, die ihn überhaupt nicht mögen und die ihn fast täglich ärgern! Ist das etwa sozial?
  1. Ich möchte nicht, dass meine Kinder zu Marionetten der Gesellschaft werden, sondern Freidenker, die ihre Meinung vertreten und die gewisse Dinge hinterfragen. Mal im Ernst, erinnert ihr euch an eure Schulzeit? Wie viel freies denken und hinterfragen war da möglich? Meiner Meinung nach ist Schule eine Institution, die lediglich dazu dient, den Schüler zu einem treuen Staatsbürger bzw. Steuerzahler zu erziehen.
  1. Ganz gewaltig stört mich auch, dass die Entfaltung der Individualität in der Schule nicht möglich ist. Eine Lehrkraft kann nicht auf jedes Kind so eingehen, dass sie dem Kind auch gerecht wird.
  1. Wahre Intelligenz ist nicht erwünscht, was mit Punkt 4 und 5 zusammenhängt. Die Intelligenz darf nur soweit gehen, dass der feste Lehrplan nicht gestört wird, die Klausuren mit guten Noten bewertet werden und die Schüler letztlich einen guten Abschluss absolvieren.
  2. Lehrkräfte haben nicht das Recht meine Kinder zu erziehen! Wie kann es sein, dass Kinder mit Eintritt in die Schule Menschen gehorchen sollen, zu denen sie keinerlei emotionale Bindung haben? Die wahrscheinlich komplett andere Ansichten vertreten als wir? Ja, wie kann das sein, dass wir so etwas akzeptieren sollen?
  1. Lernen nach Lehrplan ist nicht nachhaltig, da, wie bereits oben geschrieben, diese Art von Lernen zwanghaft und unter Druck geschieht. Alles was wir so erlernen, prägen wir uns nur oberflächlich ein, wohingegen selbstbestimmtes lernen tief in unseren Köpfen verankert ist. Denken wir doch einmal kurz darüber nach! Warum hatten wir vieles aus Klasse 5, in Klasse 6 schon wieder vergessen und warum wissen wir dieses eine Zitat, das wir damals in unserem Lieblingsbuch gelesen haben noch heute? Ach und wir geht nochmal diese eine Funktionsregel???
  1. Uns wird wertvolle Zeit geraubt, die wir als Familie haben könnten. Abgesehen davon wird auch entschieden, wann wir in den Urlaub fahren können bzw. dürfen.
  2. Grundbedürfnisse sind einfach nicht gestattet! Jetzt mal im Ernst, wie kann es sein, dass eine Lehrkraft zu entscheiden hat, wann meine Kinder Hunger oder Durst haben, oder wann sie auf die Toilette müssen. Was ist mit dem Bedürfnis länger zu schlafen, weil die Nacht von einem Alptraum gestört wurde?

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Zu guter Letzt möchte ich betonen, dass ich nicht für die Abschaffung der Schule bin, sondern lediglich für die Abschaffung der Schulpflicht. Es gibt mit Sicherheit Kinder die gern zur Schule gehen und für diese sollte es auch die Möglichkeit geben. Ebenso bin ich dafür, dass freies Lernen überwacht werden sollte um eventueller Verwahrlosung vorzubeugen.

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6 Comments

  • Reply Caroletta 17. Juli 2017 at 12:01

    Interessanter Artikel. Ich habe vor vier Jahren ein ähnliches Plädoyer gegen die Schulpflicht geschrieben, als mein ältester Sohn in die Schule kam. Bis heute kann ich es nicht fassen, wie weit die Schule in unser Familien-und Privatleben hineinreicht und wie „unfrei“ einen die Schulpflicht eigentlich macht. Deutschland steht damit im internationalen Vergleich übrigens ziemlich allein da. Die meisten Länder kennen nur eine Bildungspflicht.
    Dieses Jahr wird mein kleiner Sohn eingeschult und ich bin wieder alles andere als entspannt, wenn ich nur daran denke. Irgendwie habe ich mit Anfang 20 mal gehofft, dass wir diesbezüglich eine Veränderung erleben werden. Jetzt bin ich 10 Jahre älter und meine Kinder reiten auf dem selben toten Pferd wie ich einst. Das macht mich so traurig.
    Was ich eigentlich sagen wollte… ich bin ganz bei dir!
    LG, C.

    • Reply AVEC QUATRE 19. Juli 2017 at 6:00

      Du sprichst mir aus dem Herzen und ich wünschte noch viel mehr Eltern würden diese Einstellung vertreten, damit man endlich als geballte Masse gegen dieses Gesetzt vorgehen kann. <3

  • Reply Sanne 17. Juli 2017 at 11:10

    Ich sehe das in vielen Punkten ähnlich. Allerdings nehne ich mir ab und zu die Freiheit meinen Sohn, er geht in die 8 Klasse, von der Schule zuhause zu lassen, weil wir als Familie etwas schönes vorhaben. Auch mit diversen Lehrern habe ich mich schon angelegt, weil ich keinerlei Verständnis habe, wenn gesagt wird wann getrunken, gegessen, auf Toilette gegangen werden darf.
    Der Lehrplan ist meiner Meinung nach, sehr überholt.
    Mein Sohn fühlt sich in der Schule aber wohl. Das macht vieles leichter.
    Ich finde dass die Schule keine Individualität lehrt. Das versuche ich meinen Kindern mitzugeben. Bei sich sein, nicht mit der Masse schwimmen weil es der vermeintlich einfachere Weg ist, das ist mein Erziehungsstil.
    Deine Sicht auf die Dinge finde ich großartig. In vielen Sätzen, im denken, finde ich mich wieder.

    • Reply AVEC QUATRE 19. Juli 2017 at 6:10

      Wir handhaben es ganz genauso und auch ich bin somit quasi Stammgast in der Schule. Der beste Satz den ich erst vor kurzem von einer Lehrerin gehört habe war: „Sie können ihren Kindern ja Indvidualität lehren, aber hier in der Schule haben sich Kinder nun einmal einzufügen!“ Und peng, da bin ich explodiert. 🙂
      Das dein Sohn gerne zur Schule geht vereinfacht die Sache natürlich ungemein und das ihr euch das Recht heraus nehmt, ihn daheim zu lassen, wenn ihr etwas unternehmen wollt finde ich super. Gibt es da von Seiten der Schule Ärger oder wird dies toleriert?
      Ich bin nun sehr gespannt, wie es bei unseren Zwillingen wird, aber ich zitter bereits. 🙂

  • Reply Steffi 15. Juli 2017 at 17:54

    Schwieriges Thema. Mein Neffe ist auch Hochbegabt und ich weiß genau wie du dich oft fühlen musst. Ich stimme dir vollkommen zu das Intelligenz in der Schule nicht zählt oder auch gefördert wird. Wie du sagst müssen die Kinder einfach den Lehrplan beherrschen und fertig. Jedoch würde ich nicht unbedingt sagen die Schule sei schlecht. Was das Thema mobbing angeht, leben wir in einer Zeit wo es leider schon fast Alltag ist das Kinder andere mobben. Wenn das bei deinem Sohn so schlimm ist dann überleg ihn in eine andere Klasse zu geben. Bei meinem Neffen hat das geholfen. Die Schulpflicht abzuschaffen oder nicht, möchte und kann ich gar nicht beurteilen. Ich würde es jedoch vorziehen das wie auch in Amerika eine Art Homeschool stattfinden darf. Immerhin gibt es ja Tests wo das Kind das gelernter beweisen muss und das es nicht rückständig ist.

    Dein Artikel regt auf jeden Fall zum nachdenken an und meines Erachtens sollte eine generelle Umstrukturierung des Unterrichts stattfinden.

    Liebe Grüße
    Steffi

    • Reply AVEC QUATRE 16. Juli 2017 at 8:50

      Schule an sich finde ich auch nciht schlecht, aber die Schulpflicht schon. Für manche Kinder ist halt freies Lernen oder Homeschooling besser und das es da keine Wahl gibt, ist wenig demokratisch. Zum Thema Mobbing: Ja, leider ist das heute üblich, wobei ich auch nciht jedes Ärgern direkt als Mobbing bezeichne. Es ist aber so, wenn Kinder gezwungen werden in die Schule zu gehen und Eltern gezwungen werden, in dieser Zeit die Verantwortung für ihre Kleinen abzugeben, dann muss auch durch Lehrkräfte dafür gesorgt werden, dass es meinem Kind in der Zeit trotzdem gut geht. Ist dem nicht so, muss ich im Grunde das Recht haben, mein Kind von dieser Belastung zu befreien. Ständig die Klassen zu wechseln kann keine Lösung sein- was ist da mit der angeblich so wichtigen Stabilität, die die Schule doch geben soll!?! Abgesehen davon dass mein Sohn bereits Klassen übersprungen hat und wir ja kürzlich erst umgezogen sind. 🙁

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